Koblenz & Mendelssohn


Geschichte
Der Bankier Joseph Mendelssohn, älterer Bruder von Abraham Mendelssohn und Onkel von Fanny und Felix, kaufte 1818 von Hofrat Fritsch ein Landgut in Horchheim, einer kleinen Ortschaft am rechten Rheinufer (heute ein Stadtteil von Koblenz) zwischen Ehrenbreitstein und Niederlahnstein.

Im Mittelalter stand hier der Hof der Herren von Helfenstein. Die Erben waren die Herren von Reiffenberg. Anfang 1746 erwarb Karl Friedrich von Bastheim Grund und Boden. Seine Witwe veräußerte den Besitz um 1752 an den kurtrierischen Hofrat Fritsch. 1818 kaufte der Berliner Bankier Joseph Mendelssohn das Gelände für 6800 Gulden und baute es zum Landhaus und Weingut mit 70 000 Weinstöcken aus. Seine Familie kam jedes Jahr im Spätsommer mit großem Gefolge zur Weinernte. Sein älterer Sohn Benjamin. Professor für Geographie in Bonn, wohnte hier.

Das durch Zukäufe erweiterte Grundstück reichte von der Horchheimerhöhe bis hinunter an den Rhein. Dieses herrliche Anwesen mit seinen ausgedehnten Weinbergen vereinte die Familie und viele illustre Gäste zur Zeit der Weinlese. Zu den Gästen des Hauses Mendelssohn in Horchheim zählten Gelehrte und Literaten, darunter Alexander von Humboldt, Georg Friedrich Hegel und Ludwig Uhland, die Brüder Boisserée.

Der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy weilte auf seinen Reisen mehrmals in Horchheim. Hier beendete er 1837 sein 2. Klavierkonzert. In seinem „Tagebuch der Hochzeitsreise“, das 1997 in einer Bearbeitung des englischen Mendelssohn - Forschers Peter Ward Jones erschienen ist, beschreiben er und seine Frau Cécile ihren 14-tägigen Aufenthalt in Ehrenbreitstein und ihre Besuche bei Onkel Joseph in Horchheim.

In der Bevölkerung waren die Mendelssohns sehr beliebt, erwiesen sie sich doch als großzügige Spender, wenn es darum ging, die Not im Ort zu lindern. So schenkte Joseph seinen Arbeitern kleine Parzellen, auf denen sie sich Häuser bauen konnten. Auch das Bildungswesen lag ihm sehr am Herzen; die Grundschule trägt darum in Erinnerung an seine großzügige Unterstützung den Namen „Joseph Mendelssohn“.

Mit dem Ausbau der Verkehrswege, Bahn und Straße, wurde das Anwesen zerschnitten. Die Erben Josephs schenkten den Besitz Anfang des 20.Jahrhunderts der Kaiserin Augusta, die ihn den Schwestern von Kaiserswerth überließ. In den zwanziger Jahren wurde der größte Teil des Gutes an einen Likörfabrikanten verkauft. 1939 wurde im Haupthaus eine Luftschutzrettungsstelle, 1944 die Isolierstation des städtischen Krankenhauses Kemperhof eingerichtet. In den 50er Jahren diente das Palais teilweise als Kindergarten. Nach einem Brand im Dachstuhl wurde das einst prächtige Haus 1969 abgerissen.

Einzig das Tee- oder Gartenhaus, das 1922 an die evangelische Gemeinde Pfaffendorf verkauft worden war, und eine Lindenallee am Rhein erinnern an den Horchheimer Landsitz der Mendelssohns.
Aus Notizen von Sulpice Boisserée können wir entnehmen, dass Joseph Mendelssohn um 1830 von Johann Claudius von Lassaulx ein Tee- oder Gartenhaus errichten ließ. Über einem niedrigen Souterrain, das als Teeküche diente, lag das hohe Hauptgeschoss.

Das Gebäude war als fast quadratischer Bau mit zwei zu drei Achsen und einem Kreuzrippengewölbe, das von schlanken Säulen getragen wird, angelegt. Die Giebelfront, die dem Rhein zugewandt ist, zeigt drei hohe rundbogige Fenster. Ursprünglich gelangte man über eine freischwebende Treppe von Norden her in den Gartensaal. 1960/62 hat man an drei Seiten Anbauten für ein Altersheim und einen Versammlungsraum errichtet. Dadurch ist nur noch die Stirnseite zum Rhein unverändert erhalten geblieben. Beim Bau des Teehauses wurde zum Teil altes Baumaterial von umliegenden Höfen, u.a. des Klosters Altenberg verwendet. Darauf lassen auch die Schlusssteine im Kreuzrippengewölbe schließen. 2003 sind bei Untersuchungen der alten Farbschichten Spuren aus der Lassaulx Zeit aufgetaucht. Momentan wird eine Rekonstruktion erarbeitet.
Rekonstruiert wurden bereits die drei Fenster zum Rhein. Sie sind alten Lassaulx Vorlagen nachempfunden. Inzwischen steht das Teehaus (in der Öffentlichkeit leider fälschlich als „Lutherkapelle“ bezeichnet) unter Denkmalschutz.

Das Teehaus finden Sie in der Reiffenbergstraße 8 (Koblenz-Horchheim)